Als „Bad Neighbors“ vor zwei Jahren erschien, war die Kritik ebenso geteilter Meinung, wie auch der Zuschauer zwischen den Parteien von Spießertum und Anarchie pendelte, was Sympathie und Gagdichte anging. Die Fortsetzung, ganz spießig und direkt zugleich „Bad Neighbors 2“ betitelt (in den USA noch mit dem Untertitel „Sorority Rising“ versehen), zeigt jedoch, wie viel sich selbst in zwei Jahren ändern kann, wenn ein Nicholas Stoller die beständige Frische der Jugend ins Auge fasst. Das Ehepaar um Mac (Seth Rogen) und Kelly Radner (Rose Byrne) hat sich hingegen wie eh und je im Konsens vermeintlich cooler Mittelstandseltern eingefunden, deshalb erweitern sich ihre Persönlichkeiten nur um die Ankunft eines zweiten Kindes und eines neuen Hauses, in das sie möglichst bald einziehen wollen. Der Film zeigt zwar Verständnis für ihre Lage und zieht durchweg Spannung aus ihrer Konfrontation mit dem Angriff des Hedonismus, doch letzterer hat von vornherein die Gunst auf seiner Seite. Die Studentenbewegung ist in diesem Fall als Schwesternbewegung geprägt und ein Aufruf an die Selbstbestimmung, sobald sich das alteingesessene Regelwerk gegen allzu selbstverständliche Freiheiten verschließt und die Damen der Collegeszene lediglich auf Jungspartys schickt, welche sie im Roofy-trunkenen Blacklight zu reinen Sexobjekten degradieren.

Im Zeitalter verstärkter Anstrengungen gegen Campus Rape, für Chancengleichheit und feministisches Aufbegehren ist es nur recht, dass man mit einem unbedarften und doch zielsicheren Mädel wie Shelby (Chloë Grace Moretz) sympathisiert, wenn sie mit ihren Freundinnen Kappa Kappa Nu gründet, um Konvention und Sexismus einen abfeiernden Stinkefinger zu zeigen. Zu blöd, dass sie dafür neben das Haus der Radners ziehen, die versuchen, jenes Anwesen an andere abzutreten. Doch auch da gilt: Der erste Eindruck zählt! Und gleichsam gehen diese an die Decke, als sie um die lauten Feten und anderen Schabernack aus der Urheberschaft der Frauen heraus bangen. Östrogen, so gibt der Film zu verstehen, ist zudem weit cleverer und tougher als das männliche Pendant (an platten, doch beglückenden Sätzen mangelt es nicht) – und so türmen sich allmählich die Eskalationen. Der Anstoß dazu kommt natürlich nicht grundlos – einerseits, weil keine Partei zum Kompromiss der eigenen, verdienten Ideale bereit ist, andererseits, weil eine externe Kraft an den Saiten zupft. Teddy Sanders (Zac Efron) nämlich, der ehemalige Quälgeist der Radner-Nachbarschaft, ist zurück und unterstützt als ewig gestriger College-Hüne Kappa Kappa Nu, wo er nur kann. Jener Impuls basiert auf seiner Unfähigkeit zur Entwicklung in ein Leben nach dem Campus, welche seine anderen Bros längst hinter sich haben.

Da ist kaum noch Platz zum Abhängen, für Teddy bedeutet dies hinter vorgehaltener Hand aber schon einen Freundschaftsbruch, weshalb er seine vertraute Lebensart nun in der nächsten Generation fortzusetzen versucht, aber auch dort an neue Verhältnisse anschließen muss, ehe er so oder so die Stagnation, auch jene unzeitgemäßer Rivalitäten einsieht. Seine Transformation treibt den Film beinahe am stärksten voran, höchstens getoppt von den Gerechtigkeitsgefühlen, die man für die Frauen oder für die Radners empfindet. Wollen wir das aber nicht so dramatisch zeichnen: Schließlich benutzen beide reichlich fiese Tricks, Minions und Kinderspiele, um der jeweils anderen Seite eins auszuwischen. Regisseur Stoller und seine Autoren greifen dabei auf ein flottes Tempo zurück, um nicht nur wie der Großteil kontemporärer Komödien im Schuss-Gegenschuss-Dialog seine Impro-Beleidigungen zu finden, sondern wirklich mit Situationskomik, gerne auch mit Anarcho-Action und singulären audiovisuellen Pointen, zu punkten. Zentral am Laufen gehalten wird das Mordsduell auch vom Kampf der Geschlechter beziehungsweise wie faustdick es alle hinter den Ohren haben, ohne Klischees ihrerseits zu bestätigen. Im Gegenteil, diese werden ironisch umgekehrt, während alle anderen Erwartungen schlicht aus dem Fenster geschmissen oder mit Hähnchenfett statt Babyöl eingerieben werden, um die allgemeinen Vorstellungen von Mann und Frau ad absurdum zu führen. Nix mehr mit Bros before Ho’s!

Natürlich auch nur, das muss man trotz allen Wohlwollens zugeben, bis zu einem bestimmten Punkt und in stetiger Abwechslung mit gagreichen Beobachtungen zu Elternsorgen und Zukunftsmodellen, wie sie irgendwo heimelig bleiben, aber auch zum Lachen bewegen. Zwischen Jugend und Erwachsensein kann auch hier nichts auf ewig bleiben, es sind immer nur Phasen; zumindest aber setzt der Film entschiedene Zeichen fürs Eigene, ehe er moralische Zeigefinger wetzt. Sobald Kappa Kappa Nu nämlich in Geldnot geraten und sich gezwungenermaßen wieder mit Modellen des Sexismus anbiedern müssen, stehen Würde und Freundschaft derart auf dem Spiel, dass man beiderseits keinen Kompromiss, sondern Einsicht aus der Situation schlägt, auf dass allesamt allein für sich selbst glücklich werden und das tun können, was ihnen gefällt. Kappa Kappa Nu sahnt sogar doppelt ab, während Vergebung und die Behandlung von Mann und Frau first and foremost als Menschen ebenso einwirken, um auch den Abschluss zum übergreifenden Zwiespalt der Radners zu finden, ob sie als Eltern taugen und wie viel sie als solche reglementieren sollten. Fürwahr sind alle diese Punkte im Rahmen einer Komödie maximal oberflächlich angerissen, aber doch zahlreich vorhanden, werden wiederum nicht in Sentimentalitäten und anderen forciert ernsten Lagen ersoffen. Eben ein leichtfüßiges und doch knalliges Abenteuer auf suburbanem Rasen, bro!

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