Ryunosuke nimmt Reißaus. Blitzschnell steht er vom Esstisch auf und verkrümelt sich in eine Ecke des Raumes. Seine Eltern streiten sich, schon wieder. Ryunosukes großer Bruder Koichi versucht, die Situation zu schlichten; versucht, seine Eltern zu beruhigen. Doch diese bewerfen sich mit Essen, brüllen sich an und beachten die Kinder in ihrer Wut nicht. Einige Monate später: Die Eltern der Brüder haben sich getrennt. Koichi lebt bei seiner Mutter, die wieder zu ihren Eltern gezogen ist, Ryunosuke bei seinem Vater. Die Geschwister telefonieren jeden Tag und verstehen sich weiterhin prächtig – aber sind nun viele Kilometer voneinander entfernt. Die Zwei wollen sich allerdings wiedersehen. Also schnappen sie sich ihre besten Freunde und machen sich auf eine abenteuerliche Reise durch Japan.

Es wäre ein Leichtes gewesen, diesen Film vor Konflikten strotzen zu lassen. Doch der oben beschriebene Streit ist der einzige Moment, in dem die Stimme erhoben wird. Koreeda Hirokazus „I Wish“ beweist Fingerspitzengefühl; sogar soviel, dass einem angst und bange wird. Seinem Film mangelt es nicht an Problemen, doch seine Art, diese anzugehen, ist selbst für japanische Verhältnisse äußerst beachtlich. „I Wish“ lässt sich zu keinem Zeitpunkt hetzen und macht nach 128 Minuten sogar Appetit auf mehr. Trotz der ruhigen Art der Problembewältigung wirken die Figuren zu jeder Minute echt. Vor allem überzeugen die Darsteller der beiden Jungen, die mit einer ähnlichen Wucht agieren wie jene in Koreedas „Nobody Knows“.

Generell sind es die Momente in der zweiten Hälfte des Films, die Stimmung aufkommen lassen – wenn die Kinder ohne Angst durch Japan reisen, aber voller Mut und Enthusiasmus sind. Und während sie ihr wundervolles Abenteuer erleben und der japanische Poprock von Quruli dudelt, ist klar, dass man es hier mit einem kleinen Juwel zu tun hat. Das Gefühl nach diesem Coming-of-Age-Drama ist bittersüß. Koreeda zeigt, dass nicht jeder Wunsch und Traum in Erfüllung gehen kann, ganz gleich, wie sehr man sich nach ihm sehnt. Aber das ist überhaupt nicht schlimm und gehört einfach dazu. Mit dieser simplen, doch schnell vergessenen Botschaft reiht sich „I Wish“ neben den zahlreichen furiosen Filmen von Koreeda Hirokazu ein, einem der besten lebenden japanischen Regisseure.

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