Stille. Berstend, trostlos, kühl. Dazwischen das Knarren einer Tür, ein anfahrendes Auto, ein leiser Hauch einer musikalischen Untermalung, entfernter, unverstandener Dialog, Fetzen eines Lebens. In Nick Whites Kurzfilm „Inseparable“ drückt Wut und ihr verkrampftes Schaudern durch toten Raum. Darin stehen zwei Brüder. Der eine Bruder, zerzaust, längeres Haar, setzt auf Hundewetten und das gierige Kalkül Alkohol. Der andere Bruder führt eine Familie mit kleinem Sohn und arbeitet, wenn nicht in einem renommierten Unternehmen, zumindest doch dort, wo das Geld zum Leben ausreichend geschöpft werden kann. Der eine auf mühsame Weise rein, der andere wie ein Huhn vom Leben gerupft. Joe und Charlie, Charlie und Joe.

Die Selbstverständlichkeit der dann folgenden Entscheidung illustriert „Inseparable“ mit unterdrückter Brisanz und verklärter Melancholie, als ob das Leben manchmal vorbei an Recht oder Güte spielt, so wie es eben gerne spielt. Der Vater der beiden Männer trifft eine Wahl für zwei, doch eigentlich mindestens für vier. Erkennt Jean (Natalie Press), Ehefrau von Joe, wer da von ihr gegangen, wer wiedergekommen ist? Erkennt sie die Lüge, die Feigheit dahinter? Die Angst? Der Raum bleibt reglos und absonderlich ruhig. Lediglich Benedict Cumberbatch pulsiert als Taktgeber entlang beider Brüder, die er in ihrer Gleichheit und ihrer Unterschiede gefangen nimmt. Erst er meißelt Nick Whites ausgehöhlter Erzählung und der geschaffenen Distanz Fugen ein, die gegen das Klinische, das Schwerelose arbeiten und beinahe explodieren. Auch weil sein Schrei stumm und die Verbindung zwischen Joe und Charlie ungesagt bleibt, dringt eine Intensität in das Gebilde, welches seine Kürze zuviel der Luft zum Atmen abschnürt.

Schließlich gehen sie beide fort, umkreisen ein fremdes Leben. Der Erfolg einer Entscheidung entsteht nur aus der Perspektive, aus der wir sie betrachten. Und dem Umfeld, dem wir sie anvertrauen.

Das britische Studio Area 17 plant eine Adaption des Kurzfilms in Spielfilmlänge mit Benedict Cumberbatch und Natalie Press. Unterstützt werden kann das Projekt, indem „Inseparable“ gesehen wird, die Seite des Films auf Facebook ein „Gefällt mir“ erhält und Kommentare hinterlassen werden.

Meinungen

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