Offenbart man ein Geheimnis, wenn man „Central Intelligence“ als lupenreinen Honkfilm entlarvt? Immerhin hat sich Rawson Marshall Thurbers Schabernack um höchst engagierte CIA-Geheimagenten nur wenig Zeit gelassen, um dem Gros der Kritiker zu begegnen. Dies kann jedoch als übertrieben angesehen werden, schließlich fällt das Blödelduett um Dwayne Johnson und Kevin Hart weniger peinlich aus, als es die ersten Vorschauen versprachen. Die Geschichte setzt dabei eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen Bobbie (Johnson) und dem beliebten Hansdampf Calvin Joyner (Hart) an, der seinen Zeitgenossen hauptsächlich als The Golden Jet bekannt ist, zwanzig Jahre später jedoch lediglich einen langweiligen Bürojob ohne Potenzial vorweisen kann. Selbst die Ehe mit Abschlussballkönigin Maggie (Danielle Nicolet) kriselt allmählich, weil es mit dem Familiensinn auch nicht klappen will.

Karrieremenschen haben es nun einmal alles andere als leicht, weiß sogar „Toni Erdmann“, der einige überraschende Parallelen zu Thurbers Werk aufweist. Dessen Handlungskonstrukt hätte konventionellere Töne erlaubt – die folgenschwere Einmischung des witzelnden Bob Stone kommt aber gleichsam unverhofft fürs gesicherte, sprich frustrierende Leben des einstigen Golden Jets. Die Rasanz seines Pseudonyms verkörpert er in diesem Fall aber nur noch durch seine Nervosität, sobald er sich zwar auf eine trinkfeste Reunion mit dem vom hässlichen Entlein zum strahlenden Bizeps-Teddy verwandelten Mannskind einlässt, doch bald dessen Arsenal an Geheimnissen und handgreiflichen Taktiken ausgeliefert ist, die Calvin alsbald in Teufels Küche bringen. Ein Konzept zwischen Buddies und Identitäts-Tohuwabohus, das dem Genre wie maßgeschneidert angelegt scheint und Kontraste für einen Humor bereitlegt, der selbst in Plattitüden sein Ziel erreicht! Der Vergleich zwischen Mini-Neurotiker Hart und Pain-&-Gain-Sympathikus Johnson kommt natürlich auf eine Dynamik à la „Twins – Zwillinge“ – vielerlei Pointen brauchen lediglich Referenzen an vergangene Filme, um die Lachquote aufrechtzuerhalten.

Da wird’s entsprechend plump; doch manch Charakterzug übertrumpft solch fades Namedropping. So ist es reizvoll, wie bedingt schlau man daraus wird, warum Bob seinen Golden-Jet-Schwarm mit grinsendem Sadismus zu tödlich gefährlichen Abenteuern verleitet und in eine Angelegenheit internationaler Größenordnung hineinzieht, bei der seine Kompetenzen nur wie vorausgedachte Deus-Ex-Machinas funktionieren, wobei Joyner von seinem Partner ohnehin stets im Dunkeln gehalten wird. Zudem ist Stones Charakter von einer Grundnaivität erfüllt, die sich mit messerscharfen Soft- und Hardskills abwechselt und vor allem dann eine gute Figur macht, wenn Inszenierung und MacGuffins mit ihrem Actionthriller-Fimmel eher einen Standard der Spannung anbieten. Jene mit Machtgerangel angefütterten Stränge (Antiterror, Landesverrat, global-kriminelle Masterminds) werden überhaupt leicht überflüssig in ihrer Essenz umgestülpter Erwartungen, die aus dem Golden Jet ein Nervenbündel sondergleichen machen und Stone mit drolligen Kumpelphrasen der Marke Bro-A-Palooza oder Bill & Ted kontern lassen. Dwayne Johnson ist einfach liebenswert, daraus kann der Film Kapital schlagen, selbst, wenn er einige Dümmlichkeiten versucht – auch dann, wenn Sentimentalitäten im Sinne der Anti-Bully-Liga, Freundschaft und die Problematik des Körperbewusstseins angeschlagen werden.

Nicht, dass Regisseur Thurber die volle Route Political Correctness beschreitet, doch auf halbem Wege fängt er durchaus Empathie ein, wo der Schritt zum Zynismus ein ach so leichter wäre – und manch leichten Weg lässt der Film trotzdem über sich ergehen, damit Klischees eben nicht Mangelware bleiben. Damit geht ein gedrosseltes Tempo einher, das vor allem im letzten Drittel geradezu wie in Portionen den Agenten- und den Komödienanteil separat zu erfüllen scheint. Das Bekenntnis zur Nacktheit und wahren Persönlichkeit à la „Toni Erdmann“ bleibt letzten Endes aber erhalten, versprochen ist versprochen. Nur der Finishing Move gegen die Spießer hallt nicht so entschieden nach, wie es Johnson einst mit dem Rock Bottom schaffte. Aber ganz am Bodensatz, sprich zentral dämlich, bleibt „Central Intelligence“ eben auch nicht hängen in seiner Schlagfertigkeit voller Stumpfheit, Überdrehung, voller Cameos und halb garer Einfälle, so lange Konzept wie Spielfreude beinahe mühelos Schwächen überstreichen, ins Beknackte einsteigen und dafür sogar echte Witze bar wahlloser Impulse, mehr aus den Charakteren heraus, aufwenden. Immerhin!

Meinungen

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