Mit der nunmehr dritten Adaption von Veronica Roths „Divergent“-Reihe wird nur allzu deutlich, dass alle Beteiligten es nicht erwarten können, endlich fertig zu werden. Regisseur Robert Schwentke hat nach der Verfilmung des vorherigen sowie aktuellen Teils ohnehin das Handtuch geworfen, was den Abschluss im nächsten Jahr angeht. Man kann es ihm beim Tempo der Produktionen – ein Film pro Jahr! – jedoch nicht verübeln. Ebenbürtig anstrengend erfährt der treue Zuschauer sodann das allerneuste Abspulen einer Young-Adult-Dystopie, die aus ihrer eigenen Mythologie nichts mehr zu schöpfen weiß. „Die Bestimmung – Allegiant“ steht also zu Beginn direkt weiter an der Mauer, an der zuletzt mit Euphorie Richtung Freiheit aufgehört wurde: Der vermeintlich endgültige Frieden wird erneut gehemmt und in der Bestrafung der einstigen Peiniger kündigt sich bereits die erste Wiederholung der Fehler der Vergangenheit an. Heldin Tris (Shailene Woodley) riecht den von Revoluzzerin Evelyn (Naomi Watts) angezettelten Braten natürlich und plant wieder den Ausbruch aus dem unfairen System einer unheilvollen Zukunft.

Trotz Gewohnheit – ob in Dramaturgie, Ambiente oder Charakterzeichnung – gibt sich der Film nur wenig selbstbewusst, sondern drückt in künstlicher Aufregung auf die Tube, von seiner Zielgruppe so eindeutig wie jeder andere Genrevertreter empfangen zu werden. Die Wahrung der Oberfläche ist oberstes Ziel – und daher gibt sich keiner Mühe, unter Umständen noch einen gewissen Ansporn zu vermitteln. Dies erstreckt sich nicht nur auf die lustlose Inszenierung und ihre Darstellerleistungen, auch das Drehbuch trägt sich faul zu Grabe. Der liebevoll nach Kloppe dürstende Boyfriend von Tris, Four (Theo James), schlägt sich also wie gehabt als mehr oder weniger tapferer Actionheld durch; Tris’ Bruder Caleb (Ansel Elgort) meint es weiterhin gut mit allem, ohne Ahnung abseits technischer Fähigkeiten zu haben; Peter (Miles Teller) gibt sich gemäß seines Wesens sarkastisch und bewährt sich daher letztendlich als Verräter. Das restliche Ensemble gibt sich ebenso gleicher als gleich: Stereotypen und Klischees vom altbewährten Kampf zwischen Gut und Böse sind fest an der Tagesordnung, obwohl der Film in seinem Drang zur Auflösung der Übermacht ironischerweise stets wiederholt, dass die Fraktionen, sprich die Kategorisierung des Einzelnen in rein oder beschädigt, ein Ende haben müssen, da die Menschheit doch eins ist. Urheber der hier dargestellten Segregation ist David (Neuzugang Jeff Daniels), der unsere aus der Todeszone Chicago geflüchteten Helden in seine Prä-Utopie einlädt, um durch Tris, dem perfekten Exemplar einer neuen, gereinigten Menschheit, Genforschungen anzustellen.

Ihre Kumpanen dürfen allerdings nicht mit in seinen Trump-Tower – und so offensichtlich und austauschbar, wie sich die Gesellschaftskritik hier äußert, so beliebig offenbart sie auch die tatsächlichen Beweggründe Davids. Diese lassen sich auch ohne Genreaffinität erraten, genügt doch schon der Blick auf die Vorgänger der Reihe. Bezeichnenderweise ist Tris dabei urplötzlich so naiv, als wäre sie wieder bei Punkt null angekommen; dementsprechend stellt eine zeitgesteuerte Massenlobotomie die große Bedrohung des dritten Aktes dar. Diese zwei Stunden Film vermeiden energisch ihr eigenes Ich – so sind auch die letzten fünfzehn Minuten beinahe ausschließlich mit den Namen der CGI-Künstler ausgestattet, während der Zuschauer noch darüber sinniert, ob überhaupt irgendetwas am Film eine Konsequenz dargestellt hat. Doch zumindest einige Qualitäten sind ihm dabei anrechnen, wenn es auch nicht allzu substanzielle sind.

Miles Teller zum Beispiel lässt ohne falsche Bescheidenheit durchscheinen, wie egal ihm das Franchise ist und spielt sich mit ironischer Haltung ins Abseits – ein Genuss in Maßen. Schwentkes Inszenierung spart sodann an Neuerungen, bewegt sich einigermaßen kompetent, aber nur im Ansatz cineastisch durch Action und Dialoge. Die Qualität der Spezialeffekte muss nicht genauer ausgeführt werden – proportional dazu wurde in diese auch nur so viel Geld wie nötig investiert. Es darf gelacht werden. Die Fokusse auf Produktionsdesign und futuristische Gadgets bringen eine gewisse Energie mit sich, zudem wird in manchen Szenen die Akzentuierung durch Stille versucht – bahnbrechend! Zentrale Charaktere wie Tris und Four bergen zumindest noch nachvollziehbare Gefühle der Bewährung in der Ungewissheit, wie Heranwachsende ihr tagtäglich gegenüberstehen und eine Perspektive zur individuellen Zukunft zu finden versuchen. Geflogen wird auch ein paar Mal.

Das war es dann auch mit positiven Ansätzen; ansonsten bleibt nur eine äußerst blauäugige Hoffnung in Geist und Gerechtigkeitssinn der Jugend. Die Moral von der Geschicht’ propagiert in Ermangelung an Originalität zudem das Misstrauen gegenüber Regierenden, während das Talent im Waffenumgang wie bereits in der „5. Welle“ gefeiert wird. Aber Moment, eine Neuerung tritt doch zu Tage! Mit einem Trick nämlich, bei dem eine Gehirnwäsche durch Davids Schergen als Impfung verklärt wird, wird Anti-Vaxxers und Verschwörungstheoretikern noch einmal indirekt Öl ins Feuer gegossen, als ob man ein Kontra zu den eigentlich guten Absichten einer Menschlichkeit fern von Genealogie und Rassismus einwerfen wollte. Dann müsste man aber davon ausgehen, dass sich hier wirklich Gedanken gemacht wurden – dafür sind die Beweise aber rar gesät. Nächstes Jahr hat alles wenigstens ein Ende.

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