Obwohl der Trend der Young-Adult-Verfilmungen den Filmmarkt bereits überflutet, gesellt sich nun „Die 5. Welle“ dazu, die amerikanische Jugend auf ein weiteres Überlebensszenario innerhalb austauschbarer Dystopien vorzubereiten. Basierend auf dem Roman von Rick Yancey bedient sich Regisseur J Blakeson durchweg den Schablonen universeller Nachvollziehbarkeit, die in ihrer Dramaturgie jedes Spannungsgefühl vermissen lassen, Charakterzüge auf ihre bare Funktion reduzieren und auch audiovisuell keine Messlatte jenseits des Standards verfolgen. Mitten im Survival begegnen wir unserer blonden Projektionsfläche des gängigen Teenagers, Cassie (Chloë Grace Moretz), die sich bereits im Voice-over zu Rückblenden als „normales Highschool-Mädchen“ ankündigt, auf Partys abhängt und in den ulkigen, aber charmanten und aufrichtigen Schwiegermutterliebling Ben Parish verguckt. Außerdem kümmert sie sich zusammen mit ihrem alleinerziehenden Vater Oliver (Ron Livingston) liebevoll um den kleinen Bruder. Die Verknappung ihrer Narration hat allerdings keine Zeit, sich über das Rudimentäre hinaus mit diesen Verhältnissen aufzuhalten. Schließlich sind die Außerirdischen im Anmarsch und mächtig böse drauf – die Inszenierung in Bild und Ton gibt gerne Nachhilfe, diese Deutung mit drögem Ernst festzustellen und lässt den Invasoren eine ebenso raffinierte Betitelung zukommen: die Anderen.

Das Schicksal der folgenden Ausradierung der Menschheit durch elektromagnetische Impulse und Flutwellen beruft sich dabei überdeutlich auf das Disasterkino eines Roland Emmerich; ebenso adaptiert es dessen Hang, die Katastrophe auf eine Familie zu reduzieren und mit einem Figurenkreis an Stereotypen zum gemeinsamen Unternehmen zu bewegen. Die Erwartungen diktieren sodann den weiteren Verlauf des Films, der auch die militärischen Maßnahmen gegen die Bedrohung von oben durch Colonel Vosch (Liev Schreiber) aufzeichnet. Dieser mobilisiert ausgerechnet die Zukunft der Erde, sprich Kinder, zum Aufrüsten gegen den Feind und pflanzt damit auch eine gewisse Ambivalenz zum Militarismus in den Film ein, ohne jedoch das amerikanische Verständnis zur Selbstverteidigung zu unterminieren. Im Gegenteil: Cassie macht sich als Einzelgängerin mit Sturmgewehr durch die Wälder der verwüsteten USA und hat stets den Teddy ihres Bruders im Gepäck, der nach einer misslungenen Rettungsaktion verloren gegangen ist und nun von ihr gesucht wird. Dabei muss sie sich gegen Freund und Feind zugleich bewähren, da die Aliens die Gestalt normaler Menschen annehmen können. Die Körperfresser grüßen! In dieser allgegenwärtigen Gefahr wird sie jedoch vom bärenstarken Sunnyboy Evan Walker aufgelesen, dessen nacktem Oberkörper sie genregemäß beim Baden im See zusieht und somit eine Dreiecksbeziehung mit Ben für die voraussichtlichen Fortsetzungen initiiert, wie es „Twilight“ vor einer gefühlten Ewigkeit vorgemacht hat.

Außerdem bringt Evan Walker (der Name wird stets in Gänze ausgesprochen) ihr die korrekte Methodik zur Entwaffnung bei, damit der Waffenfetisch des Films auch dann zur Geltung kommt, wenn man nicht in leidlich aufregenden Montagen zuschaut, wie sich die Kids unter dem Kommando des designierten Tomboy-Goth-Girls Ringer (Maika Monroe) im Nah- und Fernkampf ausbilden lassen. Hauptsache, die Kameradschaft bleibt intakt. Insbesondere Ben beweist sich dabei als netter Typ, der die Kleinsten aus dem Kampfgeschehen heraus lässt und auch die Oberleitung hinterfragt, wenn sie die wahren Beweggründe ihres Handelns verbergen. Der Jingoismus lässt Letzteres nicht aus dem Auge – dieses jedoch als Spannungsaufhänger zu nutzen, wirkt nach dem Ausleben der „Panem“-Reihe und den noch anlaufenden „Bestimmung“-Ergüssen mehr als redundant. Die Konklusion des Ganzen arbeitet sich sodann an Stichpunkten ab, denen man in typischer Blockbustermanier stets begegnet, doch hier noch eine Spur lustloser wirken. Dass das Pathos nicht nachwirkt, liegt an der eingangs erwähnten Rationalisierung der erzählerischen Routine, die eine Begegnung mit den Figuren nur an der Oberfläche ermöglicht. Zeitgleich zeigt sich daran das Unvermögen, Charaktere mithilfe visueller Mittel oder pointierter Sequenzen zu etablieren beziehungsweise nachhaltig zu verinnerlichen. Stattdessen regiert inszenatorische Fließbandarbeit nach Vorschrift. Chloë Grace Moretz ist somit endlich in dem Film angekommen, den sie in „Die Wolken von Sils Maria“ persifliert hatte.

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