Ein durch und durch pubertärer Film: „Star Wars“ ist mit seiner Hauptfigur gealtert. Wo „Die dunkle Bedrohung mehr einer Wiedergeburt denn einer Rückkehr anmutete, ist „Angriff der Klonkrieger“ eine sich auf die menschliche Entwicklung bezogene, logische Fortsetzung – die Film gewordene Adoleszenz sozusagen. Das eher infantile, auf den neunjährigen Anakin Skywalker zugeschnittene Abenteuerland des ersten Teils ist einem kühleren galaktischen Klima gewichen. Die Machtverhältnisse spitzen sich zu, die Politik wird ernster und komplexer und Anakin hat inzwischen, nach einem Zeitsprung von zehn Jahren, andere Interessen, als Podrennen zu bestreiten. Seine Ausbildung zum Jedi verläuft schleppender, als er es sich wünscht, die Bindung zu seiner vermissten Mutter erweist sich als hartnäckige Bürde und natürlich ist er, wie es sich für einen jungen Mann seines Alters gehört, verliebt. Der, wie der Jedi-Orden bereits irrtümlich munkelt, nach einer Prophezeiung Auserwählte kämpft also mit den ganz natürlichen Gegebenheiten der Pubertät, während die Galaxie um ihn herum gehörig aus dem Gleichgewicht gerät. Das allmähliche Verstehen des umgebenen Kosmos sowie der Macht, und das ständige Gefühl, von dessen Bewohnern ausgegrenzt und missverstanden zu werden – davon erzählt „Angriff der Klonkrieger“.

Doch nicht nur der Inhalt, auch der Stil des Films ist durchaus ein wilder, pubertärer Mix im Science-Fiction-Gewand, der eine ganze Palette an Stimmungen mitbringt. Während zu Beginn Anakin und sein Meister Obi-Wan als inzwischen eingespieltes, wenn auch nicht immer ganz friedfertiges Team vorgestellt werden, die unwesentlich später folgende, schwindelerregende Verfolgungsjagd gar an ein Buddy-Cop-Movie erinnert, löst sich der Erzählstrang in eine ruhige Mischung aus Kaminfeuerromanze (nicht ohne Hindernisse) vor mediterraner Kulisse und dem Kriminalplot Obi-Wans auf, dessen Attentätersuche auch gut und gerne im Noir-Stil hätte inszeniert werden können. Bis dorthin versteht George Lucas es gut, den Regeln eines Sandwich-Films (also dem Mittelteil einer Trilogie) zu folgen, eine kleine Atempause einzulegen, subtil den Gürtel etwas enger zu ziehen und die Spannung zwischen den Figuren zu verdichten, bevor die finale Eskalation unausweichlich wird. Doch „Angriff der Klonkrieger“ arbeitet zu inkonsequent auf sein Ende hin. Ein überlanger Endspurt aus wenig ideenreicher und klischeehafter Action stampft den Film gewaltig ein und verpasst ihm einen langwierigen und unangemessenen Schlusspunkt.

Ebenso krankt der zweite Teil der Reihe an seinem neuen Hauptdarsteller. Dabei ist aber gar nicht mal die Schauspielkunst des damals viel versprechenden, mit einer Golden-Globe-Nominierung in der imaginären Tasche verpflichteten Hayden Christensen gemeint, auch wenn seine besessenen Augen und seine fest aneinander gepressten Lippen von Beginn an mehr einen Psychopathen als einen Fehlgeleiteten vermuten. Er ist schlicht und ergreifend zu alt für eine Rolle, die auf dem Papier zwar für einen zwanzigjährigen (Christensen war bei den Dreharbeiten genauso alt) gilt, die Worte jedoch die eines fünf Jahre jüngeren Teenagers widerspiegeln. Ist doch der Tenor dieses pubertären, abwechslungsreichen, von allerhand Stimmungsschwankungen gekennzeichneten Films, die neuen Erkenntnisse im Kosmos und die veränderte Sichtweise von Heranwachsenden mit dem allgegenwärtigen Verhältnis von Gut und Böse, von der Macht der Jedi und der der Sith-Lords zu konfrontieren und damit mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter eine Lebenswegentscheidung einzuleiten, wirkt der Entschluss auf einen erwachsenen Hauptdarsteller sowie das Geschehen zehn (und nicht fünf) Jahre später anzusetzen, als eine erstaunlich inhomogene Wahl. So wirkt Anakin Skywalker sofort wie ein unsympathischer, schlecht erzogener Jüngling, der sein gut situiertes Elternhaus viel zu spät verlassen hat – obwohl es doch genau umgekehrt war. Von einer Charakterempathie, die einst ein Schlüsselpunkt der Vorgängertrilogie war, nämlich den röchelnden Darth Vader in seinen letzten Atemzügen rührend zu vermenschlichen, kann man bis hierhin noch nicht sprechen. Keine einfachen Voraussetzungen also für Teil drei.

Meinungen

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