Mit pochendem Fanboyherzen sitzt wohl jeder gesattelt vor den flimmernden Bildern jener galaktischen Geschichte aus den siebziger und achtziger Jahren. Das Leuchten der Laserschwerter auf jedem neuen Kinoplakat, die Gesichter der Helden vom heroischen Luke bis zum rüpelhaften Han Solo. Sie sind Bestandteile der individuellen filmischen Vergangenheit. George Lucas’ Epos von Helden und Kämpfern, deren Geschichten zum popkulturellen Meilenstein wurden, kennt jeder und jeder ist sich der kulturellen Relevanz bewusst. Die Frage der Fragen, jahrelang gestellt, über Jahrzehnte unbeantwortet – und nun endlich schließt sich der Kreis, auf der Suche nach Antworten. Wie entstand jener dunkle Lord Darth Vader, wer war er vorher, was hat er getan? Wie wurde er zu diesem Monster der Galaxis, das jeder fürchtet? Die Antwort: Er war ein liebestoller, arroganter Idiot.

Nachdem George Lucas in Episode I und II mehr Elektriker denn Künstler war, besinnt er sich mit „Die Rache der Sith“ nun wieder auf die Essenz seiner Space Opera: noch immer Materialschlachten bis zum Ende, blitzende Schwerter, Romantik vor dem Green Screen und Charaktere ohne wirklichen Hintergrund. Doch wird zumindest versucht, aus den statischen Nichtigkeiten von Personen ein narrativer Zweck zu machen. Was über die vorherigen zwei Episoden vergessend behandelt wurde, bekommt nun den höchsten Stellenwert. Der Ursache allen Übels ist die Liebe und die Frau. Stritten sich in der alten Trilogie Luke und Han Solo noch um eine, ist es hier Anakin, der sich schon in Episode I als kleiner Knirps in die deutlich ältere Senatorin Padme verliebte. Wie Anakin zur röchelnden Blechdose wurde, verdankt man nun also den schlechten Träumen Anakins und dem Phrasen dreschenden Kanzler Palpatine. So ganz schlüssig wird lange nichts, denn war der junge Skywalker bisher zwar immer ein aufbrausender, idiotischer Charakter und Held, wird die Wandlung zum Antagonisten und letztendlichen Kindsmörder eine reaktionäre Anreihung von Beliebigkeiten. Irgendwie fehlt es zwar an narrativer Stärke und Inhalt, doch vermag es Verständnis zu implementieren – denn wie sonst, wenn nicht durch des Menschen stärkste Emotion, wird man zum Unmöglichen verleitet?

Noch immer sind Lucas die Charaktere weitestgehend egal, betrachtet sie nur aus der Ferne und lässt sie Dialogzeilen von erbrechend ekelhafter Einseitigkeit referieren. Doch manchmal blitzt alte Intimität auf. Jene Intimität, die damals offenbarte, dass Leia und Luke Geschwister sind, oder der filmgeschichtliche Paukenschlag „Ich bin dein Vater“ – ganz selten verweist Lucas auf seine Nähe zur Thematik. Darauf, dass das Produkt „Star Wars“ nicht nur sein filmgeschichtliches Privatunternehmen ist, sondern auch, wie verwurzelt er in den Weiten des Alls mit alldem ist. Endlich heizt Lucas seine Saga nach zwei erfolglosen Versuchen wieder ein, drängt sie zurück zu Melodrama und Kitsch. Dass, was „Star Wars“ unter anderem auch ausmachte und dass, was sich von vorangegangener Sterilität und Desinteresse abhebt. Die altmodische Präferenz im Green Screen, die jeder sehen wollte. Für Lucas ist dies die letzte imperiale Schlacht, die es zu schlagen gilt, bevor er sich von seinem Monumentalwerk verabschiedet. Und es gelingt ihm, Fanherzen wieder schlagen zu lassen.

Dennoch, manchmal kommt das pochende Fanherz zum Stillstand. Und zwar besonders dann, wenn es politisch wird. Die Referenzen zur realen Politik, samt amerikanischer Regierung als Synonym, verkommen zum Klamauk und undurchschaubaren Zweierlei. Sich im Kessel der politischen Präsentation zu demonstrieren, nur um selbstreferenziell alles zu vergessen, was „Star Wars“ einst ausmachte; nämlich das plumpe Schwarz gegen Weiß, Imperium gegen Rebellen, Jedis gegen Siths, folgt einer ausgesprochen demotivierenden Verknüpfung umherfliegender Diplomatie. Kanzler Palpatine baut seine Machtbasis durch Intrigen und Heuchelei aus, anstatt den erwünschten Frontalangriff zu wählen. Wir wissen alle, wie es endet, da braucht es keine ausbuchstabierte Geschichte voller irrealer und unzusammenhängender Floskeln zur Erklärung der Machtstruktur und Erhebung des Imperiums. Es würde genügen, die Lichtschwerter zu kreuzen.

„Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith“ ist sehr werkimmanent, betrachtet kaum äußere Einflüsse und lässt sich durch eigens konstruierte Einschränkungen zum Gesamtkontext distanzieren. Das kommt dem Film zugute, denn als letzter Teil der neuen Trilogie sticht er vor allem dadurch hervor, dass er sich nicht mehr auf Kleinigkeiten stützt, sondern den Kern thematisiert. Count Dooku ist alsbald Geschichte und versickert in der Redundanz, die er schon vorher innehatte. Der Fokus liegt auf Anakin und Palpatine, zwar unnötig moralisiert und konstruiert, aber es offenbart die Kooperation jener beiden Antagonisten der Saga. Mit dieser Beziehung einhergehend kommt auch der interne Konflikt zwischen Jedi-Orden und Senat. Das ist in diesem Kontext am meisten störende Konstrukt von Interaktionen, da es sich zu sehr zentralisiert und alles außerhalb von Orden und Senat vergessen lässt. Gegner der Republik werden abgeschoben und als Störenfriede einer weit, weit entfernten Galaxis definiert. Beginnt man noch mit einer Weltraumschlacht gegen die Separatisten, scheinen sie gegenüber dem geplanten Putsch von Orden und Palpatine irrelevant geworden zu sein. Manchmal bleibt das Gefühl keinen echten Star Wars zu sehen, sondern eine verkommene Telenovela, voller Intrigen und Lächerlichkeiten.

Und dennoch: „Die Rache der Sith“ ist das Beste seit über zwanzig Jahren, was es zu „Star Wars“ gab. Wenn John Williams einzigartiger Score wieder einsetzt und am Ende „Anakin vs. Obi-Wan“ spielt, kommt all jene Epik wieder hoch, die das Franchise und diese Saga definiert haben. Ein kleiner Rückblick zu Vergangenem, was einst in einer weit, weit entfernten Galaxis sein fast vergessenes Dasein fristete, kommt noch einmal zurück, um das zu sein, was es sein soll: ein Märchen im Weltall.

Meinungen

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