Da sind sie wieder: das eher quiekend-kleine, korpulente und das neurotisch-große, schlanke Pärchen. Während Ersteres noch im obligatorischen Romantic-Comedy-Sidekick-Wahn für dralle Vietnamwitzeleien sorgt, echauffiert sich Letzteres lediglich über die Habgier eines französischen Unternehmers, der ihnen ihr hart verdientes Ruhestandsgeld nahm. Nur handelt Joel Hopkins’ „Wie in alten Zeiten“ nicht von eben jenen schrulligen Marotten der am Rande positionierten Timothy Spall und Celia Imrie, sondern von dem unsäglichen Leid des Wiederfindens, welches Pierce Brosnan und Emma Thompson als weder burschikos noch wirklich zankend rotierendes Paar vom Status fröhlicher Geschiedenheit zu frischer Liebe aufspielen. Beide charakterisiert Hopkins, welcher ebenso als Drehbuchautor fungiert, zudem beinahe ausschließlich durch deren jeweilige … Allergie. Denn Thompsons Kate hat es nicht so mit Blumen, Brosnans Richard nicht so mit Katzen. Womit das Thema Figurenzeichnung gänzlich abgehakt wäre (wie auch die offensichtlich als Höhepunkt angedachte Szene, da beide Allergien kollidieren). Immerhin inszeniert werter Regisseur nach einem grotesk-kläglichen Versuch eines hippiesken Saul-Bass-Intros zunächst eine Art Reminiszenz an die damals schon dümmlichen Heist-Caper der sechziger Jahre. Was aufgrund der musikalischen Untermalung (obligatorisch: „All Right Now“ von Free) im Ansatz genehm bleibt.

Schade aber, dass nachfolgender Film noch immer nicht zurückgegeben werden kann wie ein besonders klägliches Essen. Obwohl „Wie in alten Zeiten“ gewiss den ominösen Erwartungen an solche leidlich komödiantischen Ableger entspricht, die von einer Misere in die nächste Drehbuchfahrerflucht schwingen und dabei vergessen, dass insbesondere die hier angesprochene Zielgruppe (Rubrik: irgendwann mal lang verheiratet) nur eines möchte: Typen. Nicht zwingend ausformulierte Charaktere, aber doch sympathische Figuren, denen reales Leben anhaftet (mit ein wenig mehr Demontage darf hier sogar auf Roger Michells „Le Weekend“ verwiesen werden). Eine Schande, wenn einzig Timothy Spalls süffisant-überzogenes Spiel überhaupt in die Nähe dessen kommt. Andernfalls taugt dieser alberne Film schließlich nur noch als überdimensioniertes Werbevideo für die Côte d’Azur, welche als sehnsuchtsvolle Kulisse für einen Diamantenraub einstehen muss. Nancy Meyers hätte das allemal besser gekonnt. Wenn vielleicht auch nicht viel.

Meinungen

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