Die Vergangenheit ist vorbei. Außer für den Slacker. Der fristet sein spätpubertäres, haltloses Dasein nämlich nicht in Formen, die ein Normalsterblicher als Parzellen unter den Begriffen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft deklarieren würde. Sondern er brummt sich seinen Weg mit Jutebeutel durch die Welt und spuckt auf die großen Träumer oder Mumblecorer. Der Slacker ist einzigartig, das wussten bereits Jim Jarmusch, Richard Linklater und Edgar Wright. Nun aber meint es ebenso Bob Byington zu wissen, der im Herzen mit Andrew Bujalski verwandt ist, doch in „7 Chinese Brothers“ genauso rigoros ums Nichts kreist wie sein Kumpane aktuell mit „Results“ – einer Fitnesshipsterfanfare.

Wenigstens eines aber weiß Byington genau: Für den größten aller Slacker braucht es einen Typen, der ein Epos zu stemmen wüsste, ließe ihn ein Regisseur nur. Daher wählt er Jason Schwartzman, 34 Jahre alt, 1,68 Meter groß, Drei- bis Fünftagebart, halbwegs intelligent, halbwegs arrogant, mit einem Schimmer von etwas, aber nicht von viel. Und Jason Schwartzman beeindruckt als Jason Schwartzman, der sich als Larry der Slacker verkleidet respektive sich ein White-Collar-Shirt überstreift und die Menschen um sich ramponiert, während er von einem öden Job zum nächsten pirscht. Viel Geld verdient er nicht, viel Geld hat er nicht. Dafür hat er einen Hund – die platte, lahme, schläfrige französische Bulldogge Arrow. Zumindest als Sidekick praktikabel.

Aber die Dialoge wollen nicht aus ihrer unabhängigen Blase treten, wollen weder warmherzig noch verständnisvoll oder intellektuell unüberwindbar sein. Je weiter Larry sein tristes, unästhetisches Leben an die Oberfläche schleppt, desto schlaffer präsentiert sich „7 Chinese Brothers“ als antiromantisches Zitat an die scheinbaren Lemminge um ihn, die immerhin riskieren, auf die Schnauze zu fliegen. Aber auch das nicht hochkant. Das Schicksal seines Protagonisten schert Byington dabei nicht im Geringsten, wie ihn selbst der Titel gebende Song von R.E.M. nur seines Titels wegen interessiert. Die chinesische Volkssage über einen selbstsüchtigen kleinen Jungen kennt er vermutlich genauso wenig wie Claire Huchet Bishops Klassiker der Kinderliteratur, „The Five Chinese Brothers“.

Das Kino Byingtons ist entsprechend einfallslos. Und „7 Chinese Brothers“ ein schrecklich kunstloser Film, der sich fragmentarischer Bruchstücke von Epochen bedient, die selten uninteressanter wirkten. Generation X, bitte übernehmen Sie!

Meinungen

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