James Wan, der mit seinem Debütfilm „Saw“ für Furore sorgte, stand bisher als Garant für gediegene Spukgeschichten. Mit „Insidious“ und „Conjuring“ hatte er nicht nur Zuschauer-, sondern auch Kritikererfolge. Schon beim Spin-offAnnabelle“ saß er allerdings nicht mehr selbst auf dem Regiestuhl und fungierte nur als Produzent – wie ebenso beim jüngsten Ableger seiner zumindest finanziell florierenden Gruselfabrik, „Demonic“. Die „künstlerische Leitung“ obliegt nun dem bis dato unbekannten Will Canon. Der von James Wan produzierte „Annabelle“ war in inhaltlicher und dramaturgischer Hinsicht ein Desaster, spülte aber dennoch eine nicht unbeträchtliche Summe in die Kinokassen. Ähnlich verhält es sich mit „Demonic“, welcher überraschenderweise in unserer Franchise überladenen Zeit einen eigenständigen Film markiert. Mit Originalität kann er sich jedoch leider trotzdem nicht brüsten.

Wirklich intelligente Storys werden vom Zielpublikum mittlerweile auch gar nicht mehr erwartet. Man gibt sich genügsam mit den üblichen Heimsuchungen, Exorzismen und Psychokillern, sofern diese in halbwegs spannender Manier inszeniert sind und einen in ihrer Effekthascherei häufig genug zusammenzucken lassen. Ebendiese Anspruchslosigkeit des Publikums scheint leider nur die wenigsten Regisseure zu motivieren, endlich wieder kreativ zu werden. James Wan zählte zwar, wenn man von „Saw“ absieht, nicht zu den Einfallsreichsten, dafür aber zu den Konsequentesten und heizte in seinen Filmen trotz dünner Plots ordentlich ein. Wenn er nur produziert, sehen die Ergebnisse anders und sehr viel weniger zufriedenstellend aus.

In „Demonic“ ist eine Gruppe von Adoleszenten so klug und begibt sich auf eigene Faust in ein altes Anwesen, auf dem vor einiger Zeit ein satanisches Ritual mit einer Vielzahl von Todesopfern stattfand. Samt Geisterjäger-Schnickschnack wollen sie spirituelle Vorkommnisse dokumentieren. Dass das einigermaßen schiefgeht, sieht man bereits im Prolog, der wie so oft auch schon den Spannungshöhepunkt darstellt. Ein Cop (Frank Grillo) findet die schlimm zugerichteten Leichen der Gruppe und einen Überlebenden (Dustin Milligan), der von einer Psychologin (Maria Bello) über seine schattenhaften Erinnerungen interviewt wird. In Rückblenden wird Licht ins Dunkel gebracht. Unsere schlauen Teens werden sofort nach ihrem Eintreffen mit den obligatorischen Miseren wie plötzlichem Nasenbluten, zuschlagenden Türen und sich von Geisterhand umdrehenden Kruzifixen konfrontiert. Anstatt Reißaus zu nehmen, kommen sie auch noch auf die glorreiche Idee, eine Séance abzuhalten, wie sie die vor einigen Jahrzehnten Ermordeten ebenfalls durchführten, bevor alles in einer Katastrophe mündete. Den Rest kann man sich wahrscheinlich zusammenreimen.

Heruntergeleiert werden uninspirierter Hokuspokus und viel Teufelstohuwabohu, in dem die Protagonisten egaler kaum sein könnten. Denn wer so blöd ist, hat sich sein leidliches Schicksal redlich verdient. Schauspielerisch dürftig und mit armen Dialogen ausgestattet ist „Demonic“ nur einer von vielen Horrorfilmen, die in der schwindelerregend großen Masse von billig produziertem und schlecht inszeniertem Schrott irgendwann in der Versenkung untergehen.

Meinungen

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