Ostern steht vor der Tür! Daher suchen auch wir Eier – und stellen uns Fragen des Glaubens und des Zweifels. Exklusiv am Ostermontag mit Larry Cohens „God Told Me To“.

Regisseur Larry Cohen vermengt in „God Told Me To“ die dokumentarische Härte eines „French Connection“ mit Pulp und Exploitation und verläuft sich dabei nur allzu gerne in katholische Übernatürlichkeit, außerirdische Verschwörungen und sogar ein bisschen Black Cinema. Im Fokus: der gläubige New Yorker Detektiv Peter J. Nicholas (Tony Lo Bianco), der in einer Mordserie verschiedener Täter ermittelt, die allesamt kurz vor ihrem eigenen Tod verlautbaren, dass Gott ihnen die Tat befohlen hätte. Die dargestellten Investigationen konzentriert Cohen zu einer fiebrigen und ausweglosen Aneinanderreihung des Schreckens im Big Apple, der im Kern vor sich hinvegetiert und aus jedem Loch mit Gewalt entgegenkommt, was seine Bewohner allmählich von innen auffrisst und in alptraumhafte Szenarien schleudert.

Der Apfel fällt aber nicht weit vom Stamm, schließlich lebt Peter trotz seines katholischen Glaubens in Scheidung und bandelt bereits mit einer Jüngeren an, kommt aber in Anbetracht der Ereignisse nicht umhin, seine Ex aufzusuchen und bei ihr Geborgenheit zu erbitten. Denn wie sich für den Zuschauer schrittweise herausstellt, wurde Peter einst adoptiert und entdeckt bei der Suche nach seiner leiblichen Mutter erschreckende Parallelen zu einer mysteriösen, humanoiden Götzenfigur, von der aus einige Jünger Peter aufsuchen und teilweise umbringen wollen. Wo sich bei Peter hinsichtlich der vermeintlichen Amoktäter anfangs noch ein unsicheres Gefühl der Paranoia und Fassungslosigkeit breitmacht, bestätigt es sich dann in jenen Verfolgern, die aber ebenso nur entbehrliche Spielbälle für die Übermacht des neuen Jesus sind.

In Cohens unheilvoller und schonungsloser Gestaltung auf der Gegenwartsebene verlässt dem Zuschauer in jenen teils surrealen Entwicklungen das Gefühl der Sicherheit. Dies gelingt recht eindringlich, indem man dem abfallenden, beunruhigenden Wandel an Peters seelischer Verfassung beiwohnt, welcher nicht nur eine fatalistische Zersetzung herbeisehnt, sondern auch eine ebenso mörderische, übernatürliche Kraft wie jene des von ihm Gejagten. Das hat schon fast etwas von David Cronenberg. Und an dessen „Rabid – Bete, dass es Dir nicht passiert!“ erinnert später die Vaginalöffnung der unerklärlichen Macht, die vor allem in den eher trivialeren Rückblicken von Alien-Entführungen vorkommt, welche Peter von einzelnen Opfern geschildert werden.

Das erinnert an den dusseligen Charme eines B-Movies der fünfziger Jahre und treibt die reißerische Schraube von Cohens Film in die Stratosphäre. Wie bezeichnend für diesen Regisseur, der ja weniger für Subtilität steht, denn mehr für handfestes, blutiges Genre-Kino – abwechselnd mit okkulten Elementen („Die Wiege des Satans“), aber auch satirischen Ambitionen („The Stuff“) sowie knalliger Blaxploitation („Der Pate von Harlem“). Diese Versatzstücke mögen die Wirkung der Spannung anfangs unterminieren, bereiten den Zuschauer allerdings auch darauf vor, wie irrsinnig die letzte Konfrontation zwischen den vermeintlich Guten und Bösen vonstatten gehen wird. Cohen versteht es, den Zuschauer zwar noch ordentlich zu fesseln, gibt sich ihm aber mit der Vermittlung des Umstands begrenzter Mittel und der daraus resultierenden, bekloppten Handlungsabzweigung auf Augenhöhe.

Wie man unschwer nachvollziehen kann, drehte er aufgrund mangelnden Budgets reichlich Material ohne entsprechende Genehmigungen, behalf sich fast ausschließlich einer Handkamera sowie einiger Laiendarsteller von den Straßen New Yorks und ordnet sich zudem der störenden Umgebungsakustik unter wie auch des Öfteren einem zuschauenden Publikum. Interessanterweise entsteht dadurch einerseits eine dokumentarische Atmosphäre, die durch ominöse Schnitt- und Musikführung eine Manifestation der Paranoia suggeriert, andererseits aber auch eine Ahnung des Sich-Ertappt-Fühlens in den Gesichtern der Darsteller. Bezeichnend dafür sei jene Szene genannt, in der Peter vor einer durch Neon beleuchteten Kirche fassungslos niederkniet und zu dieser fragend hinaufschaut, nachdem er von einer grundlos wilden Frau abgestochen wurde. Nur beiläufig, aber wirksam bemerkt man dabei einen Kreis an Zuschauern, der sich um ihn bildet – ein nicht zu umgehender Umstand spontaner Dreharbeiten, aber auch Ausdruck der Verfolgungsangst unseres Detektivs, der allmählich mehr über seine außergewöhnlichen Kräfte herausfindet, als ihm lieb ist.

Von daher ist es schade, dass Cohen diese psychologischen Stärken aufgrund von schlicht umgesetzten Schauwerten etwas unterbuttert. Dem spannenden Grundtenor des teils unfassbar naiven, aber auch geschickt mit den Urängsten jonglierenden Films tut das allerdings keinen Abbruch. Filme über New York haben diese Furcht scheinbar von Natur aus in sich, allein schon aufgrund der unterwerfenden, grandiosen Architektur. Cohen zieht daraus ordentlich Kapital und addiert zum omnipräsenten Unterweltanstrich auch noch eine Übernatürlichkeit, die womöglich nur auf mentaler Ebene abläuft – wie so vieles beim Thema Religion. Dass dabei sogar Aliens ins Spiel kommen, könnte hinsichtlich der manifestierten Paranoia letzten Endes auch nur eine Einbildung unseres Detektivs sein, dafür spricht schon die überzeichnete Ausleuchtung und Verläufe jener Szenarien. In Deutschland bisher nicht erschienen, ist „God Told Me To“ allerdings als US-Import auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Meinungen

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