In einem Haushalt der nahen Zukunft spielen Strom und Gas eine selbstverständliche Rolle – noch selbstverständlicher als heute, da beides von der Zufuhr eines zentralen Generators abhängt. Amerika gehen jedoch die Ressourcen aus und eine dreiköpfige Familie verweilt in ihrem technologischen Zuhause, das abgeschottet von jeglicher Zivilisation inmitten nordkalifornischer Wälder liegt. Patricia Rozemas „Into the Forest“ erzählt eine Survival-Geschichte, die dem konventionellen Muster dieses Genres folgt; mit Kapiteleinblendungen, die zeitliche Abschnitte betiteln („nach drei Monaten ohne Strom“). Leider liegt darin das erste Problem dieses Films, der nicht viele Trümpfe in der Hand hält. Beinahe willkürlich werden Zeitsprünge unternommen, die Figuren und die Situation haben sich jedoch kaum verändert. Unsinnig ist, dass der Winter übersprungen wird, der sicherlich die größte Herausforderung für die Protagonisten darstellen müsste. Ein schwacher dramaturgischer Aufbau führt neben anderen Problemen zu keinem guten Ergebnis.

Die beiden Schwestern Nell (Ellen Page) und Eva (Evan Rachel Wood) sind in diesem per se apokalyptischen, jedoch kaum apokalyptisch wirkenden Szenario bald auf sich alleine gestellt, da ihr Vater wegen einer Schnittwunde am Bein verblutet, die er sich beim Versuch, einen Baum zu fällen, mit einer Kettensäge selbst zugefügt hat. Spätestens ab diesem nicht ernst zu nehmenden Moment geht es mit „Into the Forest“ rapide bergab. Weder können Page und Wood situationsgerecht agieren, noch kauft man ihnen die viel zu melodramatischen Reaktionen ab. Eva will ihrer verstorbenen Mutter nacheifern und Tänzerin werden. Sie sperrt sich in ihrem Übungsraum ein und trainiert eisern für eine wahrscheinlich niemals stattfindende Audition. Nell will sich um sie kümmern, das Wechselspiel der sich liebenden, konkurrierenden Schwestern ist teilweise interessant und schwappt dann schnell in sehr monotone Reiz-Reaktions-Schemata ab. Um zu überleben, müssen die beiden einige Aufgaben bewerkstelligen. Mit jeder Erfüllung dieser steigt die Erwartung des Zuschauers, dass es zu erzählenswerten Situationen kommt. Leider haben sie kaum Probleme – bis erneut Männer ins Spiel kommen, deren Motivation zwar unterschiedlicher nicht sein könnte, deren Motivation für den Zuschauer jedoch ähnlich blass ausfällt.

Es verweilt eine gewisse Ödnis in Rozemas Film, deren Drehbuch auf dem gleichnamigen Bestseller von Jean Hegland aus dem Jahre 1996 basiert.

Meinungen

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