Die siebenjährige Lana (Lana Rockwell) und ihr kleiner Bruder Nico (Nico Rockwell) haben gerade einen ihrer Goldfische beerdigt. Der zweite, noch lebendige Fisch schwimmt daher irgendwie traurig durch das nun außer ihm leere Aquarium. Ein Fisch sollte niemals alleine leben. Lana und Nico sind beide sehr jung – aber das wissen sie. Zusammen mit Nene, dem neuen dicken mexikanischen Nachbarsjungen, machen sie sich auf, einen Spielgefährten für ihren Fisch zu suchen. Ganz egal ob in einem See, Fluss oder im Meer: Das Trio ist fest entschlossen, einen Freund für den einsamen Goldfisch zu finden. Dabei haben sie nicht viel: Ihren Goldfisch, zwei Dollar, ein Taschenmesser, Sonnenbrillen und einen Einkaufswagen, um all das zu transportieren. Aber was ihnen an Ausrüstung fehlt, machen sie durch ihre Abenteuerlust und ihren Mut wieder wett. Eine Reise beginnt, so einfühlsam und schön, wie man sie schon lange nicht mehr gesehen hat.

Alexandre Rockwell wollte einen Film mit Menschen drehen, die er liebt und den er alleine, ohne ein großes Studio im Nacken finanzieren und produzieren konnte. Das Ergebnis heißt „Little Feet“, in dem seine beiden Kinder die Hauptrollen spielen, und ist ein schwarz-weißes Indie-Mumblecore-Roadmovie, das unheimlich herzerfrischend und ehrlich daherkommt. Das Drehbuch schrieb Rockwell zusammen mit seiner Tochter Lana. Und die niedlichen, kindlichen Einfälle, die Lana während der Arbeit mit ihrem Vater gehabt haben muss, spüren wir den ganzen Film über. Die drei Kinder gehen, rennen, tanzen und fahren durch das in wunderschön monochromen Bildern eingefangene Los Angeles. Ihre kindliche Naivität und Unerschrockenheit lädt dazu ein, sich an vergangene Kindertage zurückzuerinnern, in denen man selbst noch Neues und Unbekanntes entdeckte. Dabei geht es um viel mehr, als um die bloße Suche nach einem Freund für den Goldfisch: Denn Lana und Nico haben in letzter Zeit noch mehr verloren. Diese Reise ist für sie selbst wie eine Auferstehung. Jetzt sind sie draußen, unterwegs, die Welt steht ihnen seit langer Zeit das erste Mal wieder offen. Und sie haben ein Ziel! Lana, Nico und Nene auf der Suche nach diesem zu begleiten, ist eine Freude, wie man sie im Kino selten sieht und sich viel häufiger wünscht.

Meinungen

Teile uns deine Meinung zu „Little Feet“ mit. Die Angabe eines Namens, einer korrekten E-Mail-Adresse sowie der Kommentartext sind verpflichtend. Alle Meinungen werden moderiert.

Kinostart: 02.07.2015

Liebe auf den ersten Schlag

Zoff zwischen Armee und Frettchen. Thomas Cailleys mäandernde Romcom, die sich selbst finden muss.

Kinostart: 02.07.2015

Men & Chicken (Contra)

Zugunsten von Schocks verkauft Anders Thomas Jensen Reflexionen der Menschlichkeit unter Wert.

Kinostart: 02.07.2015

Men & Chicken (Pro)

Anders Thomas Jensens Rückkehr als Regisseur bietet einen gelungenen Genremix in dänischer Manier.

Kinostart: 02.07.2015

Minions

Das alleinige Abenteuer der bananensüchtigen Minions von Kyle Balda und Pierre Coffin strengt an.

Mr. Long

Sabu, Japan (2017)

Zerbrochene Leben und einstürzende Neubauten: In seiner neunten Berlinale-Teilnahme schickt Sabu Rindersuppen in den Wettbewerb.

Wilde Maus

Josef Hader, Österreich (2017)

Selbstmord durch gefrorenes Wasser: Josef Haders Debüt als Regisseur ist ein harmloser Film über Kommunikation und Schnee.

Occidental

Neïl Beloufa, Frankreich (2017)

Italiener trinken keine Cola! Neïl Beloufa verzettelt sich in seinem chaotisch-absurden Kammerspiel-Debüt.

Tiger Girl

Jakob Lass, Deutschland (2017)

Freiheit durch Reduktion: Jakob Lass’ dritter Langfilm zeigt erneut befreites, deutsches Kino basierend auf einem Skelettbuch.