In den Großstädten Japans herrscht vor allem eines: Platzmangel. Wohnungen sind in kaum einem anderen Land auf der Welt derart teuer – und dementsprechend klein fallen die Wohnräume der Japaner aus. Viele der Wohnkomplexe sind nicht einmal schalldicht, sodass die Nachbarn schnell mitbekommen, wer neben einem wohnt und wer wann was macht. Für die oftmals schüchternen und zurückhaltenden Japaner wird so ausgerechnet das Liebesspiel vermiest. Dabei haben sie schon weltweit durchschnittlich den wenigsten Sex und eine seit Jahren rückläufige Geburtsrate. Die Lösung für die Lust hat einen Namen: Love Hotel. Ein Hotel dieser Art hat viele gut isolierte Zimmer, in denen sich Liebespaare endlich nach Herzenslust austoben können. Schlappe 37.000 Hotels dieser Art gibt es in Japan. Und Philip Cox und Hikaru Toda zeigen, was sich hinter den Türen dieser Unterkünfte abspielt und wer sie besucht.

„Love Hotel“ ist für Japan-Interessierte natürlich einen Blick wert. Die Kultur Japans unterscheidet sich grundlegend von der europäischen und es ist immer faszinierend, einen Einblick in den für uns etwas bizarren und verrückten Alltag der Japaner zu bekommen. Dabei ist das Prinzip der Japaner so simpel wie großartig: Zieh dein Ding durch, solange es keinen anderen stört. Und genau in diesen Bereich fallen die schrillen Hotels. Für den grauen, arbeitsreichen Alltag vieler Japaner bieten sie die Abwechslung, die sie brauchen. Cox und Toda haben sich mit diesem Dokumentarfilm allerdings verzettelt. Sie möchten möglichst viel und am Besten sowieso alles zeigen, was mit Love Hotels zu tun hat. Das fängt mit der Arbeit der Angestellten und des Besitzers an, geht über zu einigen Besuchern der Hotels und weiter in Richtung Politik, welche die Gesetze für die Hotels ändern möchte. Dabei wechseln Cox und Toda immer wieder Schauplätze und springen hektisch zwischen den Personen hin und her. Der Fokus des Films wirkt so konfus und der Zuschauer bleibt nach gehetzten 75 Minuten irgendwie unbefriedigt zurück.

Dabei hätte „Love Hotel“ durchaus ein schöner Ausflug in eine Welt voller interessanter Geschichten, Abenteuer und die Lust werden können. Jedoch ist das Endprodukt so ansprechend wie Sex in einer 18-m²-Einzimmerwohnung mit winziger Kochnische: ernüchternd.

Meinungen

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