Ab der ersten Szene, die in ihrer vorgezogenen Konklusion eigentlich keine ist, merkt man, dass „Mike And Dave Need Wedding Dates“ unmöglich in unserem Realitätsverständnis hausieren wollen würde. Ferner bestätigt sich in der Einführung der titelgebenden Brüder Mike (Zac Efron) und Dave Stangle (Adam Devine), dass sie mit durchschaubarstem Quatsch überall durchkommen, als Bros mit übertriebenem Slang-Gestus Hoschis erster Güte abgeben – und doch Gewinner bleiben. Ein Konzept, das in Buddy-Komödien der Moderne unter Judd Apatow und Co. zur Formel auflief, doch in der gesteigerten Übertreibung dieser beknackten Zwei seinen Meister gefunden hat. Es stellt sich im Verlauf nämlich heraus, dass Jake Szymanskis Film eher eine Parodie auf jene standardisierten Spießer-Bromances ergibt, die sich mit Klischees durch leidlich anarchischen Impro-Humor und Beleidigungswettbewerbe schleppen, um im dritten Akt einen sentimentalen Ernst zu behaupten, der sich im Happy End als zynisches Vehikel entpuppt. Dabei ist „Mike And Dave“ nicht weit davon entfernt: Er ackert jene Grundzüge durch und steht mehrmals auf Messers Schneide, in brachiale Fremdscham auszuarten.

Die Überakzentuierung altbackener Motive durch Grimassen, Hashtags und Klamauk, die selbst in vermeintlich ernsten Szenen jede Echtheit aufs Bestialischste eliminieren, bringt allerdings den subversiven Reiz des Films hervor. Dies zeigt sich schon am etablierenden Konstrukt des Films, in seiner Aufregung ausschließlich Karikaturen aufzubieten, wenn Mike und Dave für die Hochzeit ihrer Schwester anständige Damenbegleitungen mitbringen sollen, nachdem sie jede Familienfeier in jüngster Zeit zum absoluten Desaster haben mutieren lassen. So grell dieses Anliegen aufgetragen wird, so hirnrissig werden auch der Plan und dessen Ausmaße (die entsprechenden Dates werden über Craigslist gecastet); wobei vielerlei soziale Medien ebenso nicht verschont bleiben. Im unnachgiebigen Strom folgen Wortspiele, Honk-Aktionen und trotteliges Selbstbewusstsein mit Schockfaktor, sobald sich eine Kandidatin nach der anderen als grauenhaft entpuppt, von politischer Korrektheit gleichermaßen erspart und übertrumpft wird. Die ideologische Doppelmoral zieht sich ohnehin durchweg durch das Geschehen und wird als solche auch verballhornt, wenn vor allem Dave Blödelparaden dafür abzieht.

Konterkariert werden die Beiden von Alice (Anna Kendrick) und Tatiana (Aubrey Plaza), die als ebenso aufgedrehtes Spiegelbild des Duos zwar privat ebenbürtige Partyulknudeln abgeben, sich jedoch als spießiges Traummädelideal vorzeigen, sobald sie Wind davon kriegen, dass Mike und Dave die Unkosten der Reise zur Hochzeit nach Hawaii löhnen werden. Dem Urlaub wegen die Liebe spielen, das kommt als glaubwürdig bei den Herren an, die aber gleichermaßen nicht anders können, als eine Show reißerischster Art abzuziehen. Das Bewusstsein im Schauspiel erinnert an „22 Jump Street“, selbst wenn die hanebüchensten Jokes wie aus der holprigsten Sitcom scheinen. Die Gestelztheit des Random-Humors jüngster Genre-Beispiele sticht hier besonders giftig heraus, indem das Gag-Potenzial des Wahllosen ad absurdum überstrapaziert wird und umso goldiger wirkt, wenn das jeweilige Gegenüber mit gefügigster Mimik antwortet. Sobald es nach Hawaii geht, fängt das Spektakel aber erst richtig an: Jede touristische Attraktion bietet sich zur Situationskomik an – und die Männer- und Frauenteams scheinen sogar darum zu buhlen, welches Szenario man als erstes aufmischt.

Unter den Argusaugen der wütenden Eltern tritt noch Daves Konkurrenz mit Cousine Terry zutage, während obligatorische Stereotypen von dicken Schwarzen, indischen Masseuren und neurotischen Hochzeitsplanerinnen nicht fehlen dürfen. Was sich dann an obskuren Sextechniken, Buggy-Unfällen und Yolo-Sprüchen ansammelt, ist schlicht nicht von dieser Welt. Manch Leerlauf lässt sich gewiss nicht vermeiden, und taktvoll erscheint letztlich keine Konstellation, unter der man auch immer den Film betrachten möchte. Seine Schamlosigkeit im Übermaß in Sachen Beziehungs- und Familienmodelle führt ihn aber nur allzu gerne in einen dritten Akt, der seine dramaturgische Funktion derart keck ebenso zum Witz macht sowie bei Charakterentwicklungen keine Spur von Ehrlichkeit erkennen lässt. Die größte Ehrlichkeit besteht insofern, dass Szymanskis Film durchweg auf Komik aus ist und Anflüge von Sentimentalität aus dem Ruder laufen lässt, ehe sich die Formel dementsprechend blöder als blöd vollendet, so wie es sein muss und gleichsam die Selbstverwirklichung der Charaktere oder – besser gesagt – deren Spirit erlaubt.

Meinungen

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