Anm.d.Red.: Die deutsche DVD/Blu-ray-Veröffentlichung ist wie bereits die Kino-Auswertung hinsichtlich Gewalt-Spitzen um knapp drei Minuten – teils gut sichtbar – geschnitten.

Ein bestialischer Mord im australischen Niemandsland, dann wechselt die Szenerie: Großstadt, junge hübsche Menschen und ein Pärchen, das alsbald per pedes das Outback in Richtung des sagenumwobenen Wolf-Creek-Kraters durchqueren möchte. Dass sich die Wege, die in beiden Plotsträngen beschritten werden, alsbald kreuzen, scheint ausgemachte Sache … Der Vorgänger „Wolf Creek“ war seinerzeit eine konsequente Rückbesinnung auf den trockenen Slashertenor der siebziger Jahre, in welcher der Australier Greg McLean die Bilder seiner Heimat zu einer gespenstischen Drohkulisse formte, deren grausiges Epizentrum John Jarratt als machetenschwingender Redneck darstellte. Chainsaw Massacre Down Under – das genügte, um zumindest unter Freunden des Genres Zustimmung zu finden.

Knapp acht Jahre später kehrt der Regisseur nun zum Wolf Creek zurück. Oder besser: Er kehrt zu Mick Taylor zurück; und darin liegt vielleicht das erste der zahlreichen Probleme dieses Films. Während der Vorgänger den Schauplatz und dessen Natur zum heimlichen Hauptdarsteller kürte, verlässt sich „Wolf Creek 2“ von Anfang an darauf, den Human-Metzger als künftige Franchise-Ikone aufzubauen; quälend-scheiternde Oneliner und Rassismus-Motiv inklusive. Damit verschenkt McLean nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Backwood-Slashern, sondern geht zeitgleich auch eine ungute Komplizenschaft mit dem Sadismus seiner Hauptfigur ein: Obgleich bereits im ersten Teil nicht unproblematisch, waren die Gewaltszenarien dort vergleichsweise spärlich gesät und im jeweiligen Kontext gesehen sogar derart inszeniert, dass der Zuschauer Empathie für die Figuren entwickeln konnte. „Wolf Creek 2“ hingegen gefällt sich sichtlich im genüsslichen Nachstellen durchdeklininierter Szenen menschlicher Entwürdigung, und spätestens, wenn das Überfahren von Kängurus und das versehentliche Pfählen der Blondine als bloßer Kalauer taugen muss, ist die Schmerzgrenze überschritten.

Fernab davon recycelt McLean nicht nur die Storyline seines eigenen Werks, sondern plündert sich mangels Inspiration auch ganz ungeniert durch den Genre-Kanon: Verfolgungsjagd, Leichen-Bergwerk, Psychospielchen – alles dabei. Trauriger Höhepunkt: Steven Spielbergs Highway-Schwanzvergleich „Duell“ einmal ohne Talent und Gespür durch die Mangel gedreht. Vom naturalistischen Horror Tobe Hoopers ist bei alledem nur noch wenig zu spüren; als Brückenschlag zu den früheren Meilensteinen muss der Name eines Opfers taugen: Rutger. Dass der „Hitcher“ Rurger Hauer in Wirklichkeit Holländer und nicht wie hier Deutscher war – auch schon egal. Dass dieser ebenso dumme, wie auch schlicht und ergreifend langweilige Outback-Trip aufgrund seines Namens trotzdem sein Publikum finden wird, scheint zumindest für Greg McLean ausgemachte Sache; immerhin lässt das Ende vermuten, dass noch lange nicht Schluss sein soll.

Meinungen

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