Wenn eine Gruppe an alteingesessenen Monstern hohe Nachfrage erzeugt, dann die der Zombies. Das mag vor allem daran liegen, wie nah sie den Menschen noch sind und statt fantastischer Ursprünge Ängste des Ablebens repräsentieren, die bis in die Keimzelle der Familie reichen. Henry Hobson, bis vor Kurzem hauptsächlich als Titel- und Grafikdesigner in der amerikanischen Filmindustrie tätig, hat jenen Grundgedanken nun in seinem Regiedebüt „Maggie“ verinnerlicht. Dabei ist er dem Genre kein Unbekannter, betreute er sowohl die Serie „The Walking Dead“ als auch das Videospiel „The Last of Us“, beide verankert im Mythos der Wiedergänger. Nur verzichtet sein Film auf apokalyptisches Gemetzel zugunsten eines familiären Dramas, an dem sich der Zerfall eines lieb gewonnenen Menschen am Beispiel der Titelheldin (Abigail Breslin) abzeichnet und wie ihr Vater Wade (Arnold Schwarzenegger) damit umzugehen versucht.

Das klingt nicht nur aufgrund von Schwarzeneggers Beteiligung ungewöhnlich; jedoch muss das Potenzial des Konzepts in der Umsetzung Abstriche machen. Hobson und sein Drehbuchautor John Scott 3 (?) verlassen sich teilweise zu sehr auf bekannte Genrestichworte der Zombie-Epidemie. Gleich zu Beginn gibt es den erklärenden Radiobericht, zu jener blassen Exposition kommen grimmige Grautöne im Bild und eine pausenlose Emotionalisierung auf der Tonspur. Kurz darauf wird festgestellt, dass Maggie gebissen wurde und im Verlauf der Infektion zum Zombie mutieren wird, was sich nicht aufhalten lässt. So wird ständige Niedergeschlagenheit die Devise, eingepackt in eine dramaturgische Linie, die von sich aus nicht mehr machen kann. Die Ausgangslage eignet sich vielleicht mehr für einen Kurzfilm, hier jedoch zieht sich das Prozedere hin und verfällt oftmals der Eindimensionalität. Das ist beim Genre-Einmaleins und seinem Ensemble vielleicht noch verzeihbar, aber schwieriger, je trostloser es in jener Gewissheit festhängt.

Im Grunde wirkt „Maggie“ nämlich zeitweise wie eine Kompilation an Downer-Momenten aus dem Fundus der Zombiefilme, und folglich repetitiv, je länger man an die Hand genommen wird, wie man sich fühlen soll. Doch sobald diese ersten Hürden genommen sind, zeigt der Film einige selbstständige Qualitäten. Dass Regisseur Hobson als visueller Fachmann die Nase vorn hat, ist abzusehen und kommt in seinen besten Momenten an die Sinnlichkeit eines „Upstream Color“ heran – insbesondere, sobald sich schwarze Adern an der Haut bilden und das Bild noch kränklicher aussehen lassen, als es in seiner Natur eines desolaten Amerikas schon ist. Beachtlich feinfühlig äußert sich aber auch die Führung seiner Protagonisten, anhand derer sowohl Schwarzenegger mit subtiler Haltung als sorgsamer Vater überzeugt, wie auch Abigail Breslin ihre Verwandlung als Teenager zu verdrängen und verarbeiten versucht. Wie die Gewissheit des Sterbens innerhalb ihres Freundeskreises aufgenommen wird und Sprachlosigkeit hervorruft: Das ist so schön, dass es weh tut; ebenso die Zwischenmomente im familiären Rahmen.

Doch auch diese werden jäh unterbrochen von der unvermeidlichen Tragödie, welcher Vater Wade immerhin selbst Herr werden will und sich folglich gegen eine Übergabe seiner Tochter in die Quarantäne wehrt. Ein herzliches Stück Menschlichkeit, doch insgesamt nie so einnehmend, wie es sein könnte. Dafür hält sich das Drama zu oberflächlich, bleibt sich aber wenigstens selbst treu und vermeidet es, sich mit Schockeffekten zur Sättigung der Gore-Gemeinde zu verraten. Vielleicht im Gros des Zombieangebots aufgrund seiner Hingabe eine Ausnahmeerscheinung, dann jedoch wieder eintönig und vor allem zum Schluss hin bemüht in seiner Melodramatik. Für den Anfang hat Hobson jedenfalls bewiesen, dass er mehr schaffen und vor allem taktvoll sein kann. Wie bei jedem Debüt fehlt ihm jedoch die formvollendete Selbstständigkeit.

Meinungen

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