Insider wissen: Das letzte Mal, als Glühwein bei einer Pressevorführung gereicht wurde, lief „The Interview“. Kein Wunder also, dass sich dies knapp ein Jahr später bei „Die Highligen Drei Könige“ wiederholt – einem Film, der größtenteils dasselbe Ensemble für eine ebenso krude Komödie vereint. Was Glühwein dort verloren hat? Nun, zunächst sorgt er für eine Win-win-Situation, weil der Zuschauer im Rausch mehr Spaß am Quatsch hat, während die Damen und Herren der Presseagentur im Nachhinein zufriedenere Meinungen erhalten. Hier passt diese Maßnahme aber auch zum Film, da er in der Weihnachtszeit spielt. Jene Feiertage ergaben öfter die Grundlage für Klassiker und goldige Genrespäße, worauf sich Jonathan Levine wiederum mehrmals deutlich bezieht und am liebsten mit einreihen will. Soweit schafft er es vielleicht nicht – doch er nutzt das Ambiente zumindest für einen Esprit, der zwar erneut amerikanischen Comedy-Konsens in den Vordergrund stellt, doch eher feiert, statt zu provozieren.

Das Trio um Ethan, Isaac und Chris (Joseph Gordon-Levitt, Seth Rogen und Anthony Mackie) entschließt sich dabei wie jedes Jahr eine Partytour durchs beschauliche New York City zu veranstalten, um vielleicht eines Tages auf eine berüchtigte Superfete eingeladen zu werden. Insbesondere Ethan sehnt sich nach diesem Traum, da sein Leben sonst nicht viel zu bieten hat: Seine Eltern sind seit über einer Dekade tot, seine Freundin hat ihn jüngst verlassen und sein Job als Mindestlohnelfe ist auch nicht das Wahre. Isaac und Chris sind daher einverstanden, diese Tour noch ein letztes Mal mitzumachen, um Ethan so zu einer eigenständigen Persönlichkeit zu verhelfen. Jene Prämisse klingt durchaus hanebüchen, doch kommt sie zumindest schnell zur Sache, als Ethan wie durch ein Weihnachtswunder Tickets zur Monstersause findet, Isaac von seiner schwangeren Frau ein Etui voller Drogen erhält und Chris als Footballstar mit einer Red-Bull-Limousine vorfährt. Das Product Placement ist im letzteren Fall präsent genug, dass der Film daraus einen Witz zu machen und mit Chris’ Hang zu Social Media zu verknüpfen versucht. Doch: Werbung bleibt Werbung.

Ebenso erwartungsgemäß geht eine Menge schief – doch im Vergleich zu einem Gelage à la „The World’s End“ ist mehr Party und Bromance statt Danger angesagt, ob nun beim Karaoke in kitschigen Pullovern oder „GoldenEye“-Zocken, während Mutter nebenan schläft. Die Interessen jedes Einzelnen treiben das Ziel aber in weite Ferne: Isaacs Angst vor dem Vatersein verstärken sich im Drogenwirrwarr, Ethan bleibt gehemmt beim Kontakt mit seiner Ex und Chris achtet dermaßen auf sein Image, dass er Gras für seinen Kollegen besorgen muss, um bei diesem einen vorteilhaften Eindruck zu hinterlassen. Was ist nur aus den guten Kumpels von einst geworden? Diese Frage werden sie sich öfter stellen, je mehr irre Widerstände sich ihnen auf der Suche nach der highligen Stätte in jener schicksalhaften Nacht in den Weg stellen und Referenzen an Weihnachtsvariationen der Popkultur repräsentieren. Ob nun Michael Shannon Charles Dickens in Joints verpackt oder Ilana Glazer in der Rolle der Rebecca Grinch die Stimmung zu Ehren Hans Grubers versaut: Die Wiederverwertung des Mainstream-Humors gibt sich offensichtlich, aber transformiert sich hier zumindest (in angemessener Menge) zum passenden Terrain.

Darüber hinaus schlägt das Drehbuch aber eher heitere denn schwarze Töne an und zeichnet Drogenchaos und absurde Krippenspiele als Slapstick, der sympathisch auf den Arsch plumpst. Selbst der kindische Hang zur Gay Panic, wie bei „Das ist das Ende“ und Konsorten präsent, wird diesmal heruntergeschraubt: Je mehr Dick-Pics Rogen ins Auge fasst, umso stärker ist er von diesen beeindruckt. Wenn es aber darum geht, welche Geschichte der Film erzählen will, hält er sich doch ziemlich einfach und geradezu zweckmäßig, als dass das Schicksal Ethans Resonanz erzeugt. Jeder Akt der Verzweiflung scheitert letztendlich an der Leichtfüßigkeit der Gesamtgestaltung, die nicht mehr als eine lustige Sause vermitteln will und dabei auch audiovisuelle Schmankerl der Gefälligkeit liefert. Der Film ist zu spießig, um sich wirklich etwas zu trauen – ganz gleich, ob er den Status quo seines Protagonisten zum Besseren zu verändern versucht, ist der rundum beibehaltene Status quo der Weihnachtsgüte von Grund auf überlegen. Zumindest geht damit auch eine gute Menge Unbekümmertheit einher, die man im Alltag durchaus gebrauchen könnte. Das ist zumindest ein Aspekt, den „Die Highligen Drei Könige“ erfüllen: Zum Feste ein harmloser Jux im Breitwandformat zu sein, der am besten mit Glühwein genossen wird.

Meinungen

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