Frank wohnt, wo die Musik wächst: in seinem Kopf. Doch es ist kein gewöhnlicher, menschlicher Kopf, auf den sich bunte Hüte oder Mützen stülpen ließen – sondern ein kürbisgroßer, mondförmiger Schädel aus Pappmaschee mit blauen Augen und leicht geöffnetem Mund. Frank ist Sänger der Soronprfbs. Und genauso unsäglich schwer, wie jene Gruppe auszusprechen ist, scheint es um Franks Seelenheil bestellt zu sein. Aber wenn eine diffuse Figur nicht zu greifen ist – dann nehme eine unsichere, naive hinzu, sperre sie in einen Raum und sehe, wie sich das vermeintliche Kammerspiel entwickelt. Lenny Abrahamson folgt dieser Devise. Und doch hüllt er seine konventionelle Dramaturgie nicht in blanke, krisensichere Dialoge und Figuren, die sich irgendwann bedenkenlos lieben, als ob sie füreinander bestimmt wären. Denn Lenny Abrahamson und „Frank“ sind anders. Zumindest, bis der doppelköpfige Protagonist seine Maske absetzt und seinen nunmehr menschlichen Deckmantel präsentiert. Aber selbst dann hüpft der Film scheinbar im Kreis und entwirft eine ehrliche, spleenige Parabel über die Musik – und jene Sonderlinge, deren zappelnde Synergie über alles geht. Sogar über den Ruhm.

Ein Stichwort: Chinchilla! Ein weiteres: Frank Sidebottom! Letzterer Rolle des Musikers und Komikers Chris Sievey nämlich lehnt Abrahamson seinen Exzentriker an, der ihm einen schlichten Titel wert ist, ohne ein ordinäres Biopic mit Vor-, Rück- und Seitblenden zu konstruieren. Dieses wäre nicht nur vergleichsweise öde – sondern geradezu brüsk in Hinblick auf den Habitus eines Films, der ein Panorama bizarrer Skurrilitäten bündelt und in einer Blockhütte im Wald niedergehen lässt. Dort strandet auch Jon (Domnhall Gleeson), nachdem sich der bisherige Keyboarder der Soronprfbs an der nordenglischen Küste zu ertränken versucht und Jon statt seiner in die Band rückt – da er die Töne C, F und G spielen kann. Ein obskurer, schäbiger Mikrokosmos, in dem Abrahamson das Halligalli des Musizierens karikiert und als sentimentale, nonchalante Attitüde wiederkäut. So singen sie, ziehen einander an den Haaren, lieben sich in einem Holzzuber und schwingen das Theremin. „Frank“ hält eben Süßes und Saures bereit. Oder wie Ryan Adams einst sang: „I’ve got a bad idea again, I’ve got a Halloweenhead!“ Ein Film über die antikonformistische, perfektionistische Ekstase, mit der ein Held aus Pappmaschee sein Publikum entzückt.

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