Habt Ihr ordentlich Sonne getankt? Gut so! Denn die Endphase des Sommers steht wieder an; vielleicht früher, als Euch lieb ist. Jedenfalls ist der August im Anmarsch – und mit ihm kommt auch das Ende des Urlaubs sowie die Furcht vor den Vorstufen des unangenehmen Winters. Man kann nicht früh genug planen! Zumindest aber kann man durchaus etwas mit der angesammelten Hitze anfangen, wenn die Temperaturen schon abflauen: sich warme Gedanken machen oder diese mit heißem Blut umsetzen. Wie das geht? Nun, in Sachen Zwischenmenschlichkeit ist so einiges möglich. Dafür bräuchte man aber auch ein Gegenüber, welches sich dafür bereit erklärt. Weil das nicht immer so einfach ist, hilft man sich gegebenenfalls mit Anschauungsmaterial. Und wie der Zufall so will, hat sich das Kino diesen Monat entschlossen, besonders aufreizend aufzustocken.

Die Filme im August

Das Problem ist nur folgendes: Wie beim Sex ist gute Qualität in Sachen Film keine Selbstverständlichkeit. In diesem Fall bedeutet das vor allem, dass diesen Monat beinahe ein Mangel an Empfehlungen zustande gekommen wäre, könnte man nicht noch immer ins Heimkino und auf dessen teils herausragende Direktveröffentlichungen ausweichen. Und wenn wir ehrlich sind: Würden manche Verleiher ihre Pressevorführungen nicht auf den letzten Drücker vor Startwochenende verschieben oder ihre Embargos etwas lockerer gestalten, könnte hier so manch sexy Werk frühzeitig Aufmerksamkeit erlangen. Sei es drum, wir finden immer noch fünf nach Kino- beziehungsweise DVD-Start sortierte Empfehlungen, an denen man seine Augen und andere Körperregionen rubbeln kann, wenn man denn will. In diesem Sinne: The Heat is On!

Mission: Impossible – Rogue Nation

Kinostart: 6. August. Regie: Christopher McQuarrie.

Szene aus „Mission: Impossible – Rogue Nation“ © Paramount Pictures Germany GmbH

Szene aus „Mission: Impossible – Rogue Nation“ © Paramount Pictures Germany GmbH

Trotz aller inszenatorischen Eleganz wird bereits im Intro klar, dass „Mission: Impossible – Rogue Nation“ nicht allzu gründlich auf die Gesetze der Realität schielt. Ethan Hunt (Tom Cruise) entrinnt nämlich nicht nur einmal dem für Normalsterbliche sicheren Tode, während sich sein Körper zwischen handgemachter Stunt-Arbeit und cartoonhaften CGI-Doubles um physikalische Grenzerweiterungen kümmert. Cruises Darstellung ist wieder einmal Posing wie auch Ventil für vergnügten Eskapismus – in beiderlei findet der Zuschauer sicherlich die Balance, darüber lachen zu können. Dabei verfolgt McQuarries Narrativ jedoch weniger unbeschwerte Töne als sein Vorgänger. Angefangen bei einer nüchternen Beobachtung der Machtkämpfe und Strukturen legislativer Einrichtungen legt er den Grundstein für eine ökonomische Selbstverständlichkeit, die entschlossen tödlich agiert.

Olive Kitteridge

DVD-Start: 6. August. Regie: Lisa Cholodenko.

Szene aus „Olive Kitteridge“ © Warner Home Video

Szene aus „Olive Kitteridge“ © Warner Home Video

Irgendwo in Maine, Neuengland: Das Gras stinkt – und die Menschen ebenso. Olive Kitteridge – zynisch, ausrangiert, unbequem – ist sich dessen sicher. Nein, denkt sie, das Amerika der Superlative findet sich hier nicht. Nur Sklaverei, Theatralik, Fernsehen, Alkohol. Und Menschen. Tumbe, ätzende, greise Menschen, die es wagen, ihr hie und da nahezukommen. Aber nicht mit ihr. Nicht mit dieser herrischen Schabracke, als die sie sich im Dorfgrauen präsentiert. Doch wenn Lisa Cholodenko ein Auge auf sie wirft, ist sie vor allem: ein quäkender Esel, der eine Wahrheit spricht, welcher sich niemand sonst berufen fühlt. Vier Stunden lang. Vier splitternde, kleinspurige, autistische, rastlose, organische Stunden lang. Über die eines mit Sicherheit geschrieben werden sollte: „Olive Kitteridge“ ist Fernsehen ohne Samthandschuhe – aber mit Pulverfass. Ein straffes Juwel, das wie eine kleine Familiengeschichte im Jux beginnt und in Tollerei endet.

Wie ein weißer Vogel im Schneesturm

DVD-Start: 6. August. Regie: Gregg Araki.

Szene aus „Wie ein weißer Vogel im Schneesturm“ © Capelight Pictures

Szene aus „Wie ein weißer Vogel im Schneesturm“ © Capelight Pictures

Gregg Araki belässt es in „Wie ein weißer Vogel im Schneesturm nicht bei der schlichten Aufklärung des Mysteriums und weiß stattdessen immer noch, den ungehemmten Zeitgeist jugendlicher Schön- und Unbekümmertheit zwischen Schule, Synthpop (unter anderem von Depeche Mode, New Order und The Cure) und Sex einzufangen. Ob Kat nun mit dem drollig-planlosen Phil (Shiloh Fernandez) rummacht oder mit ihrer Clique durch den einzigen New-Wave-Club ihres Kaffs zieht: Die Inszenierung bleibt mit ruhiger, genüsslicher Hand auf Augenhöhe und glänzt in einem Licht, das alle Farben und Gesichter ausgelassen zur Geltung bringt, kontrastiert mit der starren, distanzierten Tristesse des Unaufgeklärten, die den Haushalt der zerrissenen Familie plagt und auch sehr oft Vater und Tochter an den jeweiligen Bildrändern hinsichtlich der fehlenden Mitte entgegensetzt.

Frank

Kinostart: 27. August. Regie: Lenny Abrahamson.

Szene aus „Frank“ © Weltkino Filmverleih

Szene aus „Frank“ © Weltkino Filmverleih

Frank ist Sänger der Soronprfbs. Und genauso unsäglich schwer, wie jene Gruppe auszusprechen ist, scheint es um Franks Seelenheil bestellt zu sein. Aber wenn eine diffuse Figur nicht zu greifen ist – dann nehme eine unsichere, naive hinzu, sperre sie in einen Raum und sehe, wie sich das vermeintliche Kammerspiel entwickelt. Lenny Abrahamson folgt dieser Devise. Und doch hüllt er seine konventionelle Dramaturgie nicht in blanke, krisensichere Dialoge und Figuren, die sich irgendwann bedenkenlos lieben, als ob sie füreinander bestimmt wären. Denn Lenny Abrahamson und „Frank“ sind anders. Zumindest, bis der doppelköpfige Protagonist seine Maske absetzt und seinen nunmehr menschlichen Deckmantel präsentiert. Aber selbst dann hüpft der Film scheinbar im Kreis und entwirft eine ehrliche, spleenige Parabel über die Musik – und jene Sonderlinge, deren zappelnde Synergie über alles geht. Sogar über den Ruhm.

Das Märchen der Märchen

Kinostart: 27. August. Regie: Matteo Garrone.

Szene aus „Das Märchen der Märchen“ © Concorde Filmverleih GmbH

Szene aus „Das Märchen der Märchen“ © Concorde Filmverleih GmbH

Der Italiener Matteo Garrone nimmt in „Das Märchen der Märchen“ Teile des „Pentameron“ von Giambattista Basile, einer Märchensammlung aus dem 17. Jahrhundert, lässt internationale Filmstars (Selma Hayek, Vincent Cassel, Toby Jones, John C. Reilly) in kunterbunten Kostümen durch fantastische Naturlandschaften streifen und verstrickt die einzelnen Geschichtchen zu einem skurrilen und überzeichneten Geflecht aus Sex, Intrigen und gruselige Zauberwesen: Dann muss der König für seine Königin einen Unterwasserdrachen erlegen und stirbt dabei selbst, dann wird die Tochter eines anderen Königs durch ein Ratespiel an einen ekligen Oger-Riesen verschachert, dann verwandelt sich ein hässliches Waschweib in eine rothaarige Schönheit. Es entsteht ein Film, der gleich mehrere Filme in sich vereint und zwischen den einzelnen Erzählsträngen hin und her springt, bis sich diese Episoden am Ende zu einem großen Ganzen vermengen – zumindest für kurze Zeit, wenn sich alle Majestäten am Ende auf einem Schloss versammeln.

Weitere Starts im August

Ebenso in den hiesigen Lichtspielhäusern laufen an: „About a Girl“, „Horns“, „Learning to Drive – Fahrstunden fürs Leben“ und „True Story – Spiel um Macht“ am 6. August; „Coconut Hero“, „Codename U.N.C.L.E.“ und „Fantastic Four“ am 13.; „Barbie – Eine Prinzessin im Rockstar Camp“ am 15. August; „Boy 7“, „Selfless – Der Fremde in mir“, „Southpaw“, „Taxi“ und „Vacation – Wir sind die Griswolds“ am 20. sowie „Hitman: Agent 47“, „Straight Outta Compton“ und „We Are Your Friends“ am 27. August.

Für alle, die sich ihre Hintern lieber oder vorrangig auf der heimischen Couch platt drücken, gibt es: „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ ab 6., „A Most Violent Year“ ab 7. August, „Fast & Furious 7“ ab 13., „Best Exotic Marigold Hotel 2“ und „Der Kaufhaus Cop 2“ ab 20., „Eden“ und „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ ab 21., „Das Glück an meiner Seite“, „Die Bestimmung – Insurgent“, „Die Coopers – Schlimmer geht immer“, „Die Wolken von Sils Maria“, „Honig im Kopf“ und „Shaun das Schaf – Der Film“ ab 27. sowie „A Girl Walks Home Alone At Night“, „Maggie“ und „The F-Word – Von wegen nur gute Freunde!“ ab 28. August.

Meinungen

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Kinostart: 06.04.2017

Tiger Girl

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Kinostart: 09.03.2017

Wilde Maus

Josef Haders Debüt als Regisseur ist ein harmloser Film über Kommunikation und Schnee.

Kinostart: 16.02.2017

Elle

Paul Verhoeven kehrt zum Wechselspiel der Moral in der humanistischen Rücksichtslosigkeit zurück.

Kinostart: 08.12.2016

Right Now, Wrong Then

Hong Sang-soo parodiert die Macht der Wahrnehmung, indem er sie egoistisch nacherzählt.

Mr. Long

Sabu, Japan (2017)

Zerbrochene Leben und einstürzende Neubauten: In seiner neunten Berlinale-Teilnahme schickt Sabu Rindersuppen in den Wettbewerb.

Wilde Maus

Josef Hader, Österreich (2017)

Selbstmord durch gefrorenes Wasser: Josef Haders Debüt als Regisseur ist ein harmloser Film über Kommunikation und Schnee.

Occidental

Neïl Beloufa, Frankreich (2017)

Italiener trinken keine Cola! Neïl Beloufa verzettelt sich in seinem chaotisch-absurden Kammerspiel-Debüt.

Tiger Girl

Jakob Lass, Deutschland (2017)

Freiheit durch Reduktion: Jakob Lass’ dritter Langfilm zeigt erneut befreites, deutsches Kino basierend auf einem Skelettbuch.