In „Frenzy“ von Emin Alper wird der inhaftierte Kadir (Mehmet Özgür) von der Polizei dafür rekrutiert, in Istanbuls Mülltonnen nach Bomben zu suchen. Nach langem Freiheitsentzug – man erfährt nicht, was er getan hat – hat sich die Türkei verändert, sein kleiner Bruder Ahmet (Berkay Ates) erschießt mittlerweile auf Patrouille Straßenhunde. Eine scheinbar spannende Geschichte, die sich als kräftezehrendes Exempel eines langweiligen Films entpuppt.

Ahmet, der sich nicht nur Kadir gegenüber merkwürdig verhält, hat ein Geheimnis – so viel müsste jeder Zuschauer nach spätestens zwanzig Minuten mitbekommen. Doch die langsame, unschlüssige Entschlüsselung, die von redundanten Hundemassakrierungen unterbrochen wird, hätte einen eindeutig besseren Antagonisten als Katalysator oder Gegengewicht benötigt. So plätschert die Story vor sich hin und es stellt sich die Frage, was Kadir eigentlich genau macht. Das will auch sein Vorgesetzter wissen, der ihm auf Empfehlung das Angebot gemacht hatte, Bomben(-teile) zu konfiszieren. Kadir, der als Teil dieser Spezialeinheit Kleinteile und Geräte durchsucht, kommt aber nicht wirklich in der Gegenwart beziehungsweise Wirklichkeit an. Er sammelt paranoid Beweise dafür, dass Ahmet in Gefahr steckt, und macht sich auf die heroische „Reise“, um ihm vergeblich zu helfen. Dieser versteckt sich nämlich im eigenen Haus und kümmert sich um einen von ihm angeschossenen Hund. Ahmets Pläne wirken jedoch aufgrund der Ausdruckslosigkeit Ates’ niemals kryptisch, weswegen das Ende vom Spiel zu offensichtlich erscheint.

Diese sehr aktuelle Paranoia ist eines der großen Themen in „Frenzy“. Leider verpasst Alper die Chance, diese genügend in Kritik umzuwandeln. Immer wieder ertönen Gewehrschüsse und Bombenexplosionen in dem verarmten Vorort Istanbuls, in dem Kadir aufgewachsen ist. Die graubraunen Häuser fallen bald auseinander, die verdreckte Luft beklemmt die Szenerie. Im Fernsehen läuft ein Werbespot mit Ahmets Vorgesetzten, der propagiert, dass sie die freilaufenden Hunde in Tierheime bringen. Der Zuschauer weiß, dass diese erschossen in einem Graben verfaulen. Diese kleine Aufdeckung türkischer Propaganda ist eines der wenigen Highlights in „Frenzy“, der unter seinen apathisch-lethargischen Hauptcharakteren zu stagnieren droht. Eingetaucht in einen begründeten und nachvollziehbaren Pessimismus spitzt sich die unvermeidliche Katastrophe zu und endet mit einem Funken Ironie.

Meinungen

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